Kommunen, Wohlfahrtsverbände und Politik fordern strukturelle Entlastung und mehr Augenhöhe
Wie kann die soziale Infrastruktur in Zeiten knapper Kassen erhalten und zukunftssicher gestaltet werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt des sozialpolitischen Dialogs „Gemeinsam handlungsfähig bleiben“, zu dem der AWO Unterbezirk Ruhr-Lippe-Ems am 11. März eingeladen hatte. 150 Vertreter*innen aus Politik, Wohlfahrtspflege und Fachpraxis diskutierten gemeinsam über Herausforderungen, Finanzierungsstrukturen und notwendige Reformprozesse.
Zum Auftakt der Veranstaltung betonten MdL Silvia Gosewinkel, und Christiane Klanke als Vertreterinnen des AWO-Vorstandes in ihrer Begrüßung die Bedeutung einer tragfähigen sozialen Infrastruktur. Gosewinkel erinnerte an die AWO-Gründerin Marie Juchacz: „Demokratie entsteht nicht im Parlament, sondern in der Arbeit mit den Menschen.“ Klanke hob hervor, dass die Arbeit der Träger vor Ort das „Fundament unserer Gesellschaft“ bilde.
Im Gespräch zwischen Kamens Bürgermeisterin Elke Kappen und dem Vorsitzenden des AWO Bezirksverbandes Westliches Westfalen Michael Scheffler wurde deutlich, dass die Kommunen und freien Träger auf eine stabile finanzielle Basis angewiesen sind. Kappen unterstrich die Notwendigkeit einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit auf Augenhöhe, während Scheffler darauf hinwies, dass dieses Gleichgewicht vielerorts verloren gegangen sei. Beide machten deutlich, dass soziale Arbeit kein Selbstzweck ist, sondern ein zentraler Bestandteil gesellschaftlicher Daseinsvorsorge.
In seinem anschließenden Impulsvortrag forderte Hamms Oberbürgermeister Marc Herter, den Sozialstaat wieder aktiv in der Mitte der Gesellschaft zu verankern. Er warnte vor einer politisch wie kommunikativ zunehmenden Abwertung sozialstaatlicher Leistungen und plädierte für weniger Misstrauen und Bürokratie im Umgang mit freien Trägern. Nur in gemeinsamer Verantwortung ließen sich Strukturen schaffen, die Kindern, Familien, Pflegebedürftigen und Kommunen gleichermaßen zugutekommen.
Ein Videoeinblick der Fachbereiche machte die Herausforderungen aus der Praxis sichtbar: schwierige Finanzierungsbedingungen im Offenen Ganztag, der Wegfall bewährter Programme im Kitabereich sowie die Belastungen der Pflege. In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Christine Scholl (Geschäftsführerin AWO Ruhr-Lippe-Ems), Martina Förster-Teutenberg (Bürgermeisterin Lünen), Stefanie Kosbab (Erste Beigeordnete der Stadt Ahlen) und Elmar Marx (Vorstand Caritas Verband Hamm) wurde deutlich, dass fehlende Planungssicherheit, Überregulierung und eine strukturell unzureichende Finanzierung Innovationen hemmen und Prävention schwächen. Gleichzeitig wurde betont, wie wichtig Orte der Begegnung und stabile soziale Angebote für den gesellschaftlichen Zusammenhalt sind. Was soll und kann die Gesellschaft zukünftig leisten? Was braucht es, um sozialen Zusammenhalt zu sichern? Zu diesen Kernfragen wurde einstimmig eine ehrliche gesellschaftliche Debatte gefordert.
Zum Abschluss riefen Klanke und Gosewinkel dazu auf, gemeinsam eine klare Vision für die Zukunft des Sozialstaats zu entwickeln. Es brauche den Mut zu strukturellen Veränderungen, mehr Vertrauen in die Fachlichkeit der Wohlfahrtsverbände und politische Entscheidungen, die die Handlungsfähigkeit der Kommunen langfristig sichern.
Im Anschluss an diese sozialpolitische Veranstaltung nutzen die 150 Gäste die Gelegenheit, den scheidenden Geschäftsführer der AWO Ruhr-Lippe-Ems, Rainer Goepert, in den Ruhestand zu verabschieden. Kolleg*innen und Weggefährt*innen überraschten den sichtlich gerührten Goepfert mit persönlichen Worten, individuellen Geschenken und lustigen Anekdoten. Besonderes Lob erhielten die Kinder der AWO Kita Flohkiste und der OGS der Diesterwegschule, die das Publikum mit ihren Auftritten begeisterten.
Weiteres Material zur Veranstaltung












Alle Infos und Fotos zum Teil 2 der Veranstaltung (Verabschiedung Rainer Goepfert) gibt es hier