Kamen feiert 40. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe und erinnert an Jürgen Schlegel 

„Ziel ist, der Opfer zu gedenken und Mut zu machen“

Nicht nur „Ein Licht gegen das Vergessen“ brannte am 26. April in der Stadthalle in Kamen – Dutzende Lichter leuchteten um die Wette. Exakt 40 Jahre nach dem Super-GAU in Tschernobyl hatte der unser Stadtverband Kamen zur traditionsreichen Mahnwache eingeladen und zugleich zum Gedenken an Jürgen Schlegel. Der Name des 2. Vorsitzenden unseres Ortsvereins Kamen-Mitte, der am 12. August 2025 verstorben ist, bleibt untrennbar mit der Kamener Tschernobylhilfe verbunden.

Unser Vorsitzender Oliver Kaczmarek MdB, erinnerte an Jürgen Schlegels unermüdlichen Einsatz für die Menschen im Gebiet der Atomkatastrophe. Bürgermeisterin Elke Kappen nannte ihn einen „unglaublichen Motor“. Sie erinnerte an die Zeit nach der Atomkatastrophe: Damals wurde Jürgen Schlegel, tätig als Fleischermeister, von Kunden gefragt, was sie überhaupt noch essen dürften. Schlegel informierte sich dazu, zu den Zusammenhängen von radioaktiver Strahlung und Krankheiten und zu vielem mehr. „Unermüdlich, zäh und bodenständig“, wie Kappen hervorhob, engagierte er sich unter anderem in der Kinderkrebshilfe, als Spendensammler, Netzwerk-Bauer und für Aufenthalte von Kindern und Familien aus der Katastrophenregion in Kamen. Mahnwachen zum Motto „Ein Licht gegen das Vergessen“ organisierte er bis an sein Lebensende. Ihm zu Ehren wird die Stadt Kamen demnächst auf dem Friedhof in Südkamen einen Baum pflanzen.

Kindern Erholung schenken – Solidarität zeigen

Das Engagement gegen Atomkraft, für Menschen aus der Katastrophenregion in Jürgen Schlegels Sinne wird weitergehen, zeigten alle Vortragenden und die rund 50 Gäste sich einig. Die Ehrenamtliche und mit dem „Heerener Horn 2026“ Geehrte Ursel Caspers berichtete vom Glück, über viele Jahre hinweg Organisatorin und Gastmutter für Ferienfreizeiten der Tschernobylhilfe gewesen zu sein: „Die Kinder geben so viel zurück“.  Die Erzieherin Katsiaryna Melchnichenka schilderte solche Auszeiten aus der Sicht eines ehemaligen Gastkindes: Die Kinder bekommen dabei „die Möglichkeit, ein neues Leben zu leben – sich zu ernähren und zu erholen“. 

Seit der Pandemie finden in Kamen keine solche Aufenthalte statt. Anders in Billerbeck: Seit Beginn des Ukrainekriegs kommen Kinder aus Malyn in der Ukraine, rund 100 km von Tschernobyl entfernt, in die deutsche Partnerstadt. Um das zu unterstützen, übergab der Vorsitzende unseres Stadtverbands Kamen, Jörg Theis, einen 3.000-Euro-Scheck an Billerbecks Bürgermeister Marco Lennertz. Dieses Geld hatte Jürgen Schlegel noch gesammelt – „die Spenden gehen im Sinne der Spender an Kinder aus der Region“, so Theis.

Wie schon 2025, so gaben auch diesmal Glib Shpakovskyi und Yaroslava Yevdokymova der Mahnwache einen musikalischen Rahmen – eins ihrer ukrainischen Lieder trägt übersetzt den Titel: „Alles wird gut“. Auch Oliver Kaczmarek schlug in seinem Grußwort den Bogen von der Trauer zur Hoffnung: Heute sei das Ziel, „der Opfer zu gedenken und Mut zu machen“, hinzuweisen auf „Solidarität und Zusammenarbeit der Völker auch in schwierigen Zeiten“.